Was ist der Big-Five-Persönlichkeitstest?
Der Big-Five-Persönlichkeitstest beschreibt deine Persönlichkeit anhand von fünf breiten Dimensionen: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität und Offenheit für Erfahrungen. In der Psychologie heißt das zugrunde liegende Modell auch Fünf-Faktoren-Modell. Manchmal begegnet dir außerdem die Abkürzung OCEAN, gebildet aus den englischen Anfangsbuchstaben der fünf Dimensionen.
Die Idee dahinter ist erstaunlich schlicht. Um andere Menschen zu beschreiben, benutzen wir eine riesige Menge an Eigenschaftswörtern: gesprächig, pingelig, empfindlich, neugierig, hilfsbereit. Als Forscher solche Wörter sammelten und untersuchten, welche häufig gemeinsam für dieselben Personen verwendet werden, ließ sich der Großteil auf wenige Bündel zurückführen. Übrig blieben fünf, und der Name „Big Five“ setzte sich vor allem durch die Arbeiten von Lewis Goldberg durch.
Anders als Tests, die dir einen Typ zuweisen, steckt dich dieses Modell in keine Schublade. Jede Dimension ist eine Linie zwischen zwei Polen, und die meisten Menschen landen irgendwo nahe der Mitte. Der Test zeigt dir, wo du auf jeder dieser fünf Linien stehst; zusammen ergeben die fünf Punkte dein Persönlichkeitsprofil.
Woher stammen die Fragen in diesem kostenlosen Test?
Die 20 Aussagen stammen aus dem International Personality Item Pool (IPIP), den Lewis Goldberg ins Leben gerufen hat. Diese Sammlung von Testaussagen für die Persönlichkeitsforschung ist gemeinfrei, sie darf also ohne Erlaubnis und Gebühr verwendet und übersetzt werden. Hier kommt die Kurzform Mini-IPIP zum Einsatz, die Donnellan und Kollegen 2006 aus einem Fünf-Faktoren-Set des IPIP mit 50 Aussagen zusammengestellt haben.
Viele bekannte Persönlichkeitsfragebögen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur gegen Bezahlung eingesetzt werden, die IPIP-Aussagen wurden dagegen von Anfang an zur freien Nutzung veröffentlicht. So beantwortest du kostenlos Aussagen, mit denen auch in der Forschung gearbeitet wird.
Eines solltest du dabei wissen: Wir haben die Aussagen für diese Seite selbst ins Deutsche übertragen, eine offiziell geprüfte deutsche Fassung ist das nicht. Bedeutung und Richtung jeder Aussage sind erhalten geblieben. Trotzdem kann die Wortwahl ein wenig beeinflussen, wie du eine Aussage verstehst.
Wie viele Fragen hat der Test und wie beantwortest du sie am besten?
Der Test besteht aus 20 kurzen Aussagen, vier für jede Dimension, und dauert etwa drei Minuten. Zu jeder Aussage wählst du eine von fünf Stufen zwischen „Trifft gar nicht zu“ und „Trifft voll zu“. Als Kurzform zeichnet der Test ein gröberes Bild als ein langer Fragebogen, für einen ersten Eindruck deiner Neigungen reicht das aber gut.
Ein Teil der Aussagen ist absichtlich umgekehrt formuliert. Stimmst du „Ich bringe Leben in jede Runde“ zu, steigt dein Wert für Extraversion; stimmst du „Ich rede nicht viel“ zu, sinkt er. Zusammen mit der gemischten Reihenfolge sorgt das dafür, dass gewohnheitsmäßiges Ankreuzen das Ergebnis weniger verfälscht.
Ein paar Kleinigkeiten machen dein Ergebnis deutlich klarer. Denk an dein Verhalten im Alltag und weniger an die Person, die du gern wärst, sonst bekommst du am Ende deren Profil. Lass dich auch nicht von der Stimmung der letzten Tage leiten; hilfreicher ist die Frage, wie dich jemand beschreiben würde, der dich seit Jahren kennt. Die Mitte „Teils, teils“ hebst du dir für Aussagen auf, bei denen du wirklich unentschieden bist.
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Was bedeuten hohe und niedrige Werte im Persönlichkeitstest?
Ein hoher oder niedriger Wert ist weder gut noch schlecht. Er zeigt nur, wo du zwischen den beiden Polen einer Dimension stehst, berechnet aus deinen Antworten auf die vier zugehörigen Aussagen. Bei einer Schulnote ist eine Richtung immer die bessere. Hier bringt jeder Pol in manchen Situationen Vorteile und in anderen Schwierigkeiten.
Wer bei Extraversion niedrig liegt, ist nach einem vollen Abend mit vielen Leuten vielleicht völlig erledigt. Derselbe Mensch sitzt dafür stundenlang konzentriert an einer Aufgabe, die er allein bewältigen muss. Jemand mit sehr hoher Verträglichkeit ist im Team beliebt, tut sich aber schwer damit, eigene Wünsche anzusprechen. Und wer wenig gewissenhaft ist, kämpft öfter mit Abgabeterminen, stellt sich aber oft am schnellsten um, wenn ein Plan platzt.
Auch mittlere Werte sagen etwas aus. In der Mitte verhältst du dich je nach Lage unterschiedlich, zum Beispiel gesprächig im Meeting und still am Wochenende. Dass dein Profil in mehreren Dimensionen mittig ausfällt, ist ganz normal, denn dort liegen die meisten Menschen.
Spannend wird es, wenn du die Dimensionen zusammen betrachtest. Wer bei Extraversion und Gewissenhaftigkeit hoch liegt, übernimmt gern die Organisation. Mit hoher Extraversion und niedriger Gewissenhaftigkeit wirfst du eher die Idee in die Runde und überlässt anderen die Umsetzung.
Wie genau ist ein Persönlichkeitstest?
Ein Persönlichkeitstest ist so genau, wie gut du dich selbst kennst und wie offen du antwortest. Dieser Test beruht auf Selbstauskunft, alle Werte stammen also aus deiner eigenen Sicht auf dich. Er ersetzt keine Einschätzung durch eine Fachperson und ist kein Diagnoseinstrument.
Selbstauskünfte haben bekannte Grenzen. Menschen beschreiben sich gern ein wenig positiver, als sie sind; in der Psychologie nennt man das soziale Erwünschtheit. An einem Tag, an dem du schlecht gelaunt bist, fällt deine emotionale Stabilität womöglich niedriger aus als sonst. Und manche Seiten an uns sehen andere klarer als wir selbst: Wer sich für gelassen hält, wirkt auf seine Umgebung vielleicht angespannt.
Ein Stück weit lässt sich das ausgleichen. Mach den Test nach ein paar Wochen noch einmal und schau, wie stabil deine Werte bleiben, oder zeig dein Profil jemandem, der dich gut kennt. Für Personalentscheidungen oder um andere in Schubladen zu stecken, taugt das Ergebnis nicht. Gedacht ist der Test dafür, dich selbst besser kennenzulernen.
Was bringt dir das Ergebnis im Alltag?
Am greifbarsten ist, dass du Dingen einen Namen geben kannst, die du über dich längst ahnst. Warum bist du nach einer Woche voller Termine so ausgelaugt? Warum bleiben deine Pläne immer auf halber Strecke liegen? Dein Profil liefert dazu einen Hinweis, und damit fällt es leichter, realistische Erwartungen an dich selbst zu stellen.
Beim Lernen und bei der Arbeit merkst du den Effekt schnell. Ist deine Gewissenhaftigkeit niedrig, bringt dir eine Struktur von außen mehr als reine Willenskraft: Erinnerungen im Kalender, Aufgaben in kleinen Häppchen oder jemand, mit dem du zusammen lernst. Bei hoher Offenheit bleibst du eher bei der Stange, wenn du wiederkehrende Aufgaben ab und zu anders angehst. Welche Berufe zu deinen Interessen passen könnten, zeigt dir der Berufstest.
In Beziehungen hilft es, die Unterschiede zwischen zwei Profilen zu kennen. Jemand mit hoher und jemand mit niedriger Verträglichkeit erleben denselben Streit ganz verschieden: Der eine fühlt sich gekränkt, der andere glaubt, er habe bloß seine Meinung gesagt. Macht den Test zu zweit und redet in Ruhe über eure Ergebnisse. Wie du Gefühle erkennst und mit ihnen umgehst, zeigt ergänzend der Test zur emotionalen Intelligenz.
Lohnend ist auch ein zweiter Durchgang nach einem Jahr, vor allem wenn sich in deinem Leben inzwischen viel verändert hat. Tests zu anderen Themen findest du auf der Seite Persönlichkeitstests.