Was ist emotionale Intelligenz?
Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene Gefühle und die Gefühle anderer zu erkennen, sie auseinanderzuhalten und dieses Wissen für dein Denken und Handeln zu nutzen. Oft wird sie kurz EQ genannt. Ein alltägliches Beispiel: Vor einer Prüfung hast du ein flaues Gefühl im Magen, merkst, dass das Nervosität ist, und entscheidest dann, wie du damit umgehst.
Seine heutige Bedeutung bekam der Begriff 1990. Damals beschrieben Peter Salovey und John Mayer in einem Fachartikel emotionale Intelligenz als die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu unterscheiden und diese Informationen als Richtschnur für das eigene Denken zu nutzen. Breit bekannt wurde das Thema aber erst durch Daniel Golemans Buch Emotional Intelligence von 1995, auf Deutsch unter dem Titel Emotionale Intelligenz erschienen.
Am bekanntesten ist das Modell mit fünf Bereichen, das sich über Golemans Bücher verbreitet hat: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Motivation, Empathie und soziale Kompetenz. Die ersten drei betreffen den Umgang mit dir selbst, die letzten beiden den Umgang mit anderen. Zwei Menschen mit genau umgekehrten Stärken können deshalb dieselbe Gesamtpunktzahl erreichen.
Was misst der EQ-Test und wie viele Fragen hat er?
Dieser EQ-Test misst, wie du dich in jedem der fünf Bereiche selbst einschätzt, und besteht aus 15 Fragen. Zehn davon sind kurze Aussagen, bei denen du auf einer fünfstufigen Skala angibst, wie sehr sie auf dich zutreffen. Die übrigen fünf sind Alltagssituationen, etwa eine Hausarbeit, die kurz vor der Abgabe verloren geht. Dort wählst du, was du tun würdest.
Einige Aussagen sind bewusst umgekehrt formuliert. Wählst du bei „Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was ich fühle“ die Antwort „Trifft voll zu“, sinkt dein Wert für Selbstwahrnehmung. So sammelt niemand mit einer immer gleichen Antwort viele Punkte. Bei den Situationen gibt es keine einzig richtige Lösung, jede Antwort bringt im jeweiligen Bereich eine andere Punktzahl.
Ein Diagnose- oder klinisches Instrument ist dieser Test nicht. Weil das Ergebnis ganz auf deinen Antworten beruht, misst er dein eigenes Bild von deinen emotionalen Fähigkeiten, und dass man sich etwas ruhiger oder verständnisvoller sieht, als man ist, kommt häufig vor. Je mehr du daran denkst, wie du dich in den letzten Wochen tatsächlich verhalten hast, desto mehr sagt dir das Ergebnis. Wie die anderen Persönlichkeitstests auf dieser Seite ist er ein Ausgangspunkt, um dich besser kennenzulernen.
Was ist der Unterschied zwischen IQ und EQ?
Der IQ beschreibt geistige Fähigkeiten wie logisches Denken und Problemlösen, der EQ die Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Auch gemessen werden sie unterschiedlich. In einem IQ-Test hat jede Aufgabe eine richtige Lösung. Die meisten EQ-Tests im Internet, dieser eingeschlossen, sind dagegen Selbsteinschätzungen, bei denen es kein Richtig oder Falsch gibt. Daneben existieren Leistungstests mit lösbaren Aufgaben; ein bekanntes Beispiel ist der MSCEIT, den Mayer und Salovey zusammen mit David Caruso entwickelt haben.
Oft werden die beiden gegeneinander ausgespielt, dabei beantworten sie verschiedene Fragen. Wer eine knifflige Matheaufgabe im Nu löst, übersieht am selben Tag vielleicht völlig, dass ein guter Freund gekränkt ist. Der englische Untertitel von Golemans Buch behauptet, emotionale Intelligenz könne wichtiger sein als der IQ, und darüber wird seit dem Erscheinen gestritten. Wer bei Logikrätseln schnell ist, aber nach einem Ärger lange braucht, um sich zu fangen, hat mehr davon, beide Bereiche getrennt anzuschauen.
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Wie deutest du dein Ergebnis im EQ-Test?
Am meisten erfährst du, wenn du dir zuerst die Unterschiede zwischen den Bereichen ansiehst und erst danach die Gesamtpunktzahl. Diese ist der Durchschnitt der fünf Bereiche, liegt zwischen 0 und 100 und fällt in eine von vier Stufen: unter 40 ausbaufähig, 40 bis 59 mittel, 60 bis 79 hoch, ab 80 sehr hoch. Die Grenzen wurden nicht aus einem Bevölkerungsdurchschnitt abgeleitet, einen „normalen EQ“ kann dieser Test also nicht nennen.
Die Form deines Profils verrät meist mehr als die Summe. Wer viel Empathie, aber wenig Selbstregulierung mitbringt, spürt die Traurigkeit anderer sehr genau und reibt sich beim Mittragen schnell auf. Leg deinen höchsten und deinen niedrigsten Bereich nebeneinander und überleg, wo die beiden in deinem Alltag aufeinandertreffen.
Selbsteinschätzungen überschneiden sich teilweise mit Persönlichkeitsmerkmalen. Eine introvertierte Person gibt sich bei Aussagen über das Anknüpfen von Gesprächen womöglich weniger Punkte, obwohl sie gut kommunizieren kann. Wenn du das auseinanderhalten willst, lies dieses Ergebnis zusammen mit dem aus dem Persönlichkeitstest. Bei einem sehr hohen Wert lohnt sich eine kleine Probe: Frag jemanden, der dich gut kennt, wie du bist, wenn du wütend wirst.
Woran erkennt man Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz?
Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz bemerken ihre Gefühle früh und lassen sich von ihnen nicht die Reaktion diktieren. Das heißt nicht, dass sie nie wütend oder gekränkt sind. Wer im Meeting kritisiert wird und ruhig sagt „Lass mich kurz darüber nachdenken, ich melde mich“, lässt den Ärger zu und rettet trotzdem das Gespräch.
Im Alltag fallen sie durch Kleinigkeiten auf. Fehler geben sie ohne lange Rechtfertigung zu, und beim Zuhören lenken sie das Gespräch nicht auf sich. Wird ein Freund ungewohnt still, fragen sie notfalls direkt nach. Ist ein Nein fällig, sprechen sie es aus, klar und ohne den anderen zu verletzen.
Kann man emotionale Intelligenz trainieren?
Ja, emotionale Fähigkeiten lassen sich mit kleinen, regelmäßig wiederholten Gewohnheiten stärken. Ein sinnvoller Anfang ist, Gefühlen einen Namen zu geben. „Mir geht es schlecht“ ist etwas anderes als „Ich bin gekränkt“ oder „Ich bin müde“, denn bei den letzten beiden ist klarer, was du tun kannst. Kränkung verlangt nach einem Gespräch, Müdigkeit nach Schlaf.
Das einfachste Werkzeug der Selbstregulierung ist eine kurze Pause. Vor der Antwort ein paarmal durchatmen oder die wütende Nachricht von nachts bis zum Morgen im Entwurf lassen: Die erste Welle des Gefühls darf vorbeiziehen, die Entscheidung kommt danach. Unterdrücken solltest du das Gefühl dabei nicht. Hinuntergeschluckter Ärger verschwindet oft nicht, er bricht an einem anderen Tag bei jemandem heraus, der mit der Sache gar nichts zu tun hat.
Für Empathie und soziale Kompetenz sind gewöhnliche Gespräche das beste Übungsfeld. Das Handy wegzulegen und jemandem bis zum Ende zuzuhören, verändert die Stimmung oft schon für sich allein. Erzählt dir jemand von einem Problem, liegt der Impuls nahe, sofort eine Lösung anzubieten, obwohl dein Gegenüber meist zuerst verstanden werden möchte.
Bei der Motivation kommt es vor allem auf die Größe des Ziels an. Ein Vorsatz wie „Dieses Semester lerne ich richtig viel“ zerfällt beim ersten Rückschlag, „jeden Abend zwanzig Minuten“ klappt auch an einem schlechten Tag. Such dir auf der Ergebnisseite eine Übung für deinen schwächsten Bereich aus und probier sie zwei, drei Wochen lang. Dann mach den Test noch einmal und schau, in welchem Bereich sich deine Antworten verändert haben.