Was misst ein Berufstest nach Holland?
Ein Berufstest nach Holland misst, bei welchen Arten von Tätigkeiten du Freude hast. Man spricht von einem Interessentest: Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, der Test bringt nur deine Vorlieben in eine Reihenfolge. Deine Begabung bewertet er nicht, und er sagt auch nicht voraus, wie erfolgreich du in einem Beruf sein wirst.
Das Modell geht auf den amerikanischen Psychologen John Holland zurück. Er ordnete berufliche Interessen sechs breiten Typen zu und beschrieb Arbeitsumgebungen mit denselben sechs Typen. Seine Grundidee: Wenn das, was dich interessiert, zu dem passt, was eine Arbeit verlangt, bist du dort eher zufrieden und bleibst länger dabei. Vermutlich ist das Modell gerade deshalb in der Berufsberatung so verbreitet.
Die sechs Typen heißen hier praktisch, forschend, kreativ, sozial, unternehmerisch und strukturiert. Die Kürzel stammen aus den englischen Namen Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterprising und Conventional, deshalb ist das Modell auch als RIASEC bekannt. In deutschsprachigen Unterlagen zur Berufsorientierung tauchen die Typen oft mit Doppelnamen auf, etwa handwerklich-technisch oder ordnend-verwaltend. Die 18 Aussagen in diesem Test beschreiben jeweils eine Tätigkeit. Berufsbezeichnungen kommen absichtlich nicht vor. Bei Wörtern wie „Anwältin“ oder „Ingenieur“ denkt man schnell an Ansehen und Gehalt und erst danach an die eigentliche Arbeit. „Ein kaputtes Gerät auseinandernehmen“ fragt dagegen direkt, was du gern tust.
Was bedeutet mein Holland-Code?
Dein Holland-Code besteht aus den Anfangsbuchstaben der drei Typen mit den höchsten Werten, von links nach rechts nach Stärke geordnet. Lautet dein Code SAE, ist dein soziales Interesse am stärksten, danach folgen das kreative und das unternehmerische.
Der erste Buchstabe fällt am meisten auf, verrät allein aber wenig. Nimm zwei Codes, die beide mit S beginnen. Wer SAE hat, arbeitet gern kreativ mit Menschen und könnte zum Beispiel Theaterkurse für Kinder leiten. Wer SCR hat, fühlt sich eher bei Pflege- und Unterstützungsaufgaben mit klaren Abläufen wohl. Erst die Kombination ergibt ein Bild.
Holland ordnete die sechs Typen an den Ecken eines Sechsecks an, in der Reihenfolge R, I, A, S, E, C. Benachbarte Typen ähneln sich. Forschende und praktische Interessen treten oft gemeinsam auf, beide mögen greifbare Probleme. Gegenüberliegende Ecken haben am wenigsten gemeinsam: praktisch und sozial, forschend und unternehmerisch, kreativ und strukturiert. Stehen zwei gegenüberliegende Buchstaben in deinem Code, sind deine Interessen breit gestreut. Solche Profile passen oft zu Berufen, die beide Seiten verbinden, bei hohen sozialen und praktischen Werten etwa zur Physiotherapie.
Schau dir auch die Punktzahlen an. Liegen der zweite und dritte Typ fast gleichauf, können sie bei einem zweiten Durchgang die Plätze tauschen. Dann betrachtest du besser die ersten vier Typen zusammen.
Welcher Beruf passt zu mir?
Die Berufe in deinem Ergebnis zeigen Bereiche, die zu dir passen könnten. Ob einer wirklich passt, merkst du erst, wenn du weißt, wie ein ganz normaler Arbeitstag darin aussieht.
In der Praxis hilft folgender Weg. Such dir drei oder vier Berufe aus, die dich neugierig machen, und finde heraus, wie der Alltag dort abläuft. Sitzt man den Großteil des Tages am Schreibtisch oder ist man auf den Beinen? Arbeitet man mit Menschen oder meist allein? Gibt es Schichtdienst oder viele Reisen? Wenn es geht, sprich zehn Minuten mit jemandem aus dem Beruf. Auf die Frage „Was magst du am meisten, und was strengt dich am meisten an?“ bekommst du Antworten, die in keiner Broschüre stehen. Noch mehr zeigt dir ein Praktikum, in der Schweiz und in Österreich oft Schnupperlehre genannt.
Interesse ist außerdem nur ein Maßstab. Wenn dir etwas Spaß macht, heißt das noch nicht, dass du darin gut bist, und nicht alles, was dir leichtfällt, macht dir auch Freude. Die Fächer, in denen du gut vorankommst, und das, was du vom Arbeitsleben erwartest (Einkommen, Wohnort, Arbeitszeiten, Sicherheit), vervollständigen das Bild. Wenn du das Testergebnis danebenlegst, beruht deine Entscheidung auf weniger Vermutungen. Möchtest du auch deine allgemeinen Persönlichkeitszüge kennen, öffnet der Persönlichkeitstest ein anderes Fenster.
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Ausbildung oder Studium: Was sagt der Test dazu?
Der Test zeigt dir eine Richtung. Welchen Bildungsweg du einschlägst, lässt er offen, denn die meisten Interessen lassen sich über eine Ausbildung genauso verfolgen wie über ein Studium.
Ein Beispiel: Wer hohe praktische und forschende Werte hat, kann eine Ausbildung zum Elektroniker machen, Elektrotechnik studieren oder beides in einem dualen Studium verbinden, das es in Deutschland in vielen Fächern gibt. Bei sozialen Interessen reicht die Spanne von einer Ausbildung in der Pflege oder zum Erzieher bis zu einem Studium der Psychologie oder der Sozialen Arbeit. Der Code hilft dir dabei, die Auswahl zu verkleinern, bevor du dich mit Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Verdienst beschäftigst.
Lohnend ist ein genauer Blick auf die Inhalte. Zwei Studiengänge mit gleichem Namen können sich an verschiedenen Hochschulen deutlich unterscheiden, der eine eher theoretisch, der andere mit vielen Praxisphasen. Wenn du beim Lesen der Modul- oder Ausbildungsinhalte denkst „Damit würde ich mich gern ein paar Jahre beschäftigen“, ist das ein gutes Zeichen. Kostenlose Unterstützung bekommst du bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, in Österreich beim AMS und in der Schweiz bei der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung deines Kantons.
Hilft ein Berufstest auch beim Berufswechsel?
Ja, die Logik bleibt dieselbe. Schreib Tätigkeiten auf, die zu den ersten beiden Buchstaben deines Codes passen, und prüf dann, über welche Weiterbildung oder Umschulung du dorthin kommst. Ein kompletter Neuanfang ist nicht immer nötig. Manchmal reicht es schon, im jetzigen Job mehr Aufgaben zu übernehmen, die zu deinen Interessen passen. Wer gern erklärt, kann sich zum Beispiel um die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen kümmern.
Wie zuverlässig ist ein Berufstest?
Als Startpunkt ist er zuverlässig, für eine Entscheidung allein reicht er nicht. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme deiner Interessen, so wie du sie an diesem Tag beschrieben hast. Der Test beruht ganz auf Selbstauskunft und ist kein Diagnoseinstrument. Wenn du müde bist oder beim Antworten überlegst, wie du wirken solltest, verschiebt sich das Bild. Am klarsten wird es, wenn du zügig und aus dem Bauch heraus antwortest.
Manches berücksichtigt er gar nicht. Er zeigt weder deine Begabungen noch deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch deine Lebensumstände fließen nicht ein, etwa was deine Familie finanziell stemmen kann oder in welcher Region du wohnst. Wenn du etwas über deine Denkfähigkeiten erfahren willst, sucht der IQ-Test eine Antwort auf eine ganz andere Frage.
In der Schulzeit verändern sich Interessen noch. Machst du den Test ein Jahr später erneut, kann sich sogar der erste Buchstabe ändern. Meist heißt das nur, dass du Neues ausprobiert hast und dich besser kennst. Am meisten holst du aus dem Ergebnis heraus, wenn du mit jemandem darüber sprichst, zum Beispiel mit einer Lehrkraft oder in der Berufsberatung, wo man deinen Code mit deinen Noten und Zielen zusammen betrachten kann. Weitere Tests findest du unter Persönlichkeitstests.