Die türkische Prüfungsbehörde ÖSYM hat am 30. Oktober 2026 um 6.15 Uhr die Ergebnisse der KPSS für Absolventen zweijähriger Studiengänge (Önlisans) veröffentlicht. Geschrieben wurde am 4. Oktober; abrufbar sind die Punkte im Ergebnisportal der ÖSYM mit Identitätsnummer und Bewerberpasswort. Nach Angaben von ÖSYM-Präsident Bayram Ali Ersoy vor der Prüfung sollten 1.593.198 Personen antreten.
Die KPSS ist die Auswahlprüfung für den öffentlichen Dienst und entscheidet in der Türkei über den Zugang zu den meisten Stellen im Staatsdienst. Sie findet getrennt nach Bildungsstufe statt: Bachelor, zweijähriger Hochschulabschluss und Schulabschluss der Sekundarstufe. Der Punktwert der mittleren Stufe heißt P93.
Wofür wird der P93-Wert gebraucht?
Für zwei Wege in den Staatsdienst. Bei der zentralen Platzierung melden Behörden ihre freien Stellen, die ÖSYM veröffentlicht einen Leitfaden, die Bewerber geben eine Rangliste ihrer Wunschstellen ab, und vergeben wird nach Punktzahl und Stellenvoraussetzungen. Daneben stellen manche Behörden selbst Vertragspersonal ein und nutzen den KPSS-Wert als Zulassungsbedingung oder als Rangkriterium. In beiden Fällen zählt der Wert nur im Vergleich mit allen, die sich auf dieselbe Stelle bewerben.
Bedeuten 80 Punkte 80 Prozent richtige Antworten?
Nein. Die KPSS weist einen standardisierten Wert aus. Aus den Rohwerten, richtige Antworten minus ein Viertel der falschen, wird anhand von Mittelwert und Streuung aller Teilnehmenden dieses Durchgangs ein Standardwert berechnet; P93 gewichtet die Teile Allgemeine Fähigkeiten und Allgemeinbildung je zur Hälfte. Die Zahl beschreibt die Position innerhalb des Jahrgangs, nicht den Anteil gelöster Aufgaben. Bei einem schweren Durchgang reichen deshalb weniger richtige Antworten für denselben Wert.
Daraus folgt zweierlei. Rohwerte mit Bekannten zu vergleichen, ergibt nur innerhalb desselben Durchgangs Sinn. Und Ziele setzt man besser pro Stelle als pro Punktzahl. Ein gedachtes Beispiel: 78 Punkte reichen bei einer begehrten Behörde mit drei Stellen vielleicht nicht, bei einer anderen mit vierzig Stellen in derselben Runde dagegen leicht. Frühere Mindestpunktzahlen geben Orientierung, garantieren aber nicht, dass dieselben Stellen wieder ausgeschrieben werden.
Worauf sollte man auf dem Ergebnisblatt achten?
Zuerst auf die Aufschlüsselung nach Testteilen. Richtige und falsche Antworten zeigen, welcher Teil den Wert gedrückt hat, und dort setzt jede Planung für einen neuen Versuch an.
Dann das Ergebnisdokument mit Prüfcode speichern, denn Ausschreibungen von Behörden laufen oft nur kurz. Und schließlich den genauen Namen des Studiengangs notieren. Im Platzierungsleitfaden sind Stellen über Qualifikationscodes an bestimmte Studiengänge gebunden; ein ähnlich klingender Abschluss reicht nicht.
Wann kann der neue Wert eingesetzt werden?
Die erste Platzierungsrunde 2026 nahm Wünsche vom 9. bis 16. Juli entgegen, also noch mit Werten aus 2024. Die erste große Runde für den neuen P93-Wert wird KPSS-2026/2 sein. Der Leitfaden dafür wird im Dezember erwartet; verbindliche Termine und die Stellenliste stehen erst fest, wenn die ÖSYM ihn veröffentlicht. Maßgeblich sind deren eigene Mitteilungen, nicht die Termine, die vorab in sozialen Netzwerken kursieren.
Wie lange bleibt der Wert gültig?
Zwei Jahre ab Bekanntgabe, so der Bewerbungsleitfaden 2026; findet in dieser Zeit keine neue Prüfung statt, gilt er bis zur Veröffentlichung der nächsten Ergebnisse weiter. Die Prüfungen für zweijährige Studiengänge und für die Sekundarstufe finden nur alle zwei Jahre statt und stehen nicht im ÖSYM-Kalender für 2027, der am 28. Oktober 2026 erschienen ist. Mit dem Wert aus diesem Herbst bewirbt man sich also das ganze Jahr 2027 hindurch.
Wie sich die Punktarten unterscheiden, erklärt der Beitrag zu den KPSS-Punktarten P3, P93 und P94; die drei Prüfungsstufen im Vergleich zeigt KPSS nach Abschlussstufen. Wer 2028 erneut antreten will, nimmt sich im ersten Monat den schwächeren der beiden Testteile Thema für Thema vor und schreibt die Lücken auf.