Lernen & Intelligenz

Neuroplastizität: So lernt das Gehirn

Neuroplastizität: So lernt das Gehirn

Jahrelang glaubte die Wissenschaft, dass sich das Gehirn ab einem bestimmten Alter nicht mehr verändert. Heute wissen wir, dass das falsch ist. Neuroplastizität – die Fähigkeit des Gehirns, sich als Reaktion auf Erfahrungen, Lernen und sogar Verletzungen neu zu organisieren – hält während des gesamten Erwachsenenalters und bis ins hohe Alter an. Das ist einer der stärksten Beweise gegen die Vorstellung, dass Intelligenz unveränderlich sei.

Was bedeutet Neuroplastizität?

Das Gehirn besteht aus Milliarden miteinander verbundener Nervenzellen (Neuronen). Diese Verbindungen sind nicht starr; sie verstärken sich bei Nutzung und schwächen ab, wenn sie nicht genutzt werden. Neuroplastizität ist die lebenslange Fähigkeit dieses Netzwerks, sich neu zu formen. Wenn du etwas Neues lernst, verändert sich dein Gehirn physisch ein wenig.

Was passiert beim Lernen im Gehirn?

Wenn du eine neue Fähigkeit erwirbst, werden die Kontaktstellen zwischen den beteiligten Neuronen (Synapsen) stärker und effizienter. Neuronen-Gruppen, die zusammenarbeiten, organisieren sich besser. Zudem zeigt die Forschung, dass im Hippocampus – einer Schlüsselregion für Gedächtnis und Lernen – selbst im Erwachsenenalter neue Neuronen entstehen und sich in bestehende Netzwerke integrieren. Der Spruch „In dem Alter lernt man nichts mehr“ ist biologisch also falsch.

Beispiel: Eine neue Sprache lernen

Studien zeigen, dass das Lernen einer zweiten Sprache im Erwachsenenalter messbare Veränderungen im Gehirn bewirkt: Die Verbindungen zwischen Sprach- und exekutiven Netzwerken verstärken sich, und in den beteiligten Gehirnarealen zeigen sich strukturelle Veränderungen. Das gleiche Prinzip gilt für das Spielen eines Musikinstruments, Schach oder regelmäßiges Gehirntraining. Das Gehirn passt sich dem an, was du von ihm forderst.

Keine Magie: Es braucht Zeit und Wiederholung

Neuroplastizität ist vielversprechend, sollte aber nicht übertrieben werden. Eine bedeutsame Veränderung erfordert Zeit, Wiederholung und kontinuierliche Anstrengung im Rahmen biologischer Grenzen. Wie ausgeprägt die Plastizität ist, hängt vom Alter, der Trainingsintensität und der Regelmäßigkeit ab. Ergebnisse erzielt man nicht durch eine Woche Begeisterung, sondern durch stetige Praxis über Monate hinweg.

Nutze dein Gehirn zu deinem Vorteil

Die praktische Botschaft der Neuroplastizität ist einfach: Fordere dein Gehirn regelmäßig heraus und verlange ihm ein wenig Anstrengung ab. Lerne neue Fähigkeiten, ändere Gewohnheiten und beschäftige deinen Geist mit anregenden Aufgaben. Wie du dein Arbeitsgedächtnis verbessern kannst, erfährst du in unserem Artikel über das Arbeitsgedächtnis. Tipps für eine gehirngesunde Ernährung findest du in unserem Beitrag über Gehirnnahrung. Für regelmäßige geistige Anregung sind unsere Denkspiele ein praktischer und unterhaltsamer Weg, dein Gehirn zu trainieren.

EK

Emre Karaman

Ich habe Test Merkezim gegründet, damit Menschen sich kostenlos testen und mit Denkspielen eine gute Zeit haben können. Gestaltung und Entwicklung liegen bei mir; zugleich mache ich die Plattform Schritt für Schritt nützlicher und zugänglicher. Über mich